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Aus der Gemeinschaft

Sport und Bewegung

Von Elke Wendler Seite 20 im Heft 6 Minuten Lesezeit

Die Einstellung zu Sport und sportlicher Betätigung ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Es gibt die Fanatiker, die Sporttreiben zum Lebensinhalt gemacht haben. Andere betätigen sich gar nicht sportlich, weil es sie nicht interessiert, weil sie ihre innere Trägheit nicht überwinden können oder weil gesundheitliche Probleme sie daran hindern. Und es gibt die „Glücklichen“, denen es gelungen ist, ein gesundes Maß an Sport in ihren Alltag zu integrieren.

Die Angehörigen der Bewohner der Lebensgemeinschaft (Bewohner meint alle Menschen, die dort wohnen) sind um deren Wohlergehen besorgt. In einigen Werkstätten wird die Arbeit viel im Sitzen ausgeführt, was der Gesundheit nicht förderlich ist und leicht Rücken- oder andere körperliche Probleme auslösen kann. Die Wege zwischen Häusern und Werkstätten sind im Allgemeinen kurz. Wie also kommen die Bewohner zu mehr Ausgleich, zu mehr Bewegung?

Diese Frage wurde in der Vergangenheit auf den Mitgliederversammlungen des Förderkreises und auf den Angehörigentreffen mehrfach diskutiert. Schnell war die Idee der Pausengymnastik geboren: Der Förderkreis stiftet einen großen TV-Bildschirm und Mitmachvideos findet man im Internet. Es gab eine Begehung mit einem Leitungsmitglied der Lebensgemeinschaft und ein geeigneter Raum in einer der Werkstätten wurde für einen Versuch ausgewählt. Aber für die Mitmachvideos braucht man einen Internetzugang, den es erst gibt, wenn das neue Telekommunikationssystem der Lebensgemeinschaft installiert ist. Zwischenzeitlich regten sich auch Bedenken seitens einiger Angehöriger: „Mein Sohn / meine Tochter bewegt sich nicht allein vom Ansehen eines Videos, sondern braucht eine Hilfe, die den Impuls gibt, Arme oder Beine zu heben oder zu senken.“ oder „Besteht nicht auch die Gefahr der Verletzung bei falscher Bewegung?“. Die Realisierung der schnell geborenen Idee erweist sich als in verschiedener Hinsicht schwierig.

Eine weitere Idee war die Weiterbildung der Mitarbeiter (meint alle, die in der Lebensgemeinschaft mitarbeiten). Richtige Haltung beim Sitzen und kleine Ausgleichsübungen sind für Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen hilfreich und nützlich. Dazu führte Robert Hornung – Mitglied des Förderkreises – eine entsprechende kostenlose Anleitung und Übung mit Mitarbeitern durch. Eine mögliche Wirkung ist schwer messbar. Aber es ist ein Anfang! Und gerade für Menschen mit vorwiegend sitzender Tätigkeit gibt es einfache kleine Übungen mit guter Wirkung, die man „nur“ kennen und anwenden muss.

Am 29. Januar 2026 trafen sich die Leitung der Lebensgemeinschaft und je ein Vertreter der beiden Fördereinrichtungen. Dabei war auch Sport und Bewegung ein Thema. Es kamen Aspekte zur Sprache, die man als außenstehender Angehöriger schnell übersieht. Die Pausenzeiten sind nicht beliebig lang und werden zum Ausruhen und für Toilettengänge benötigt. Für Gymnastik bleibt damit wenig Zeit. Zu beachten ist weiterhin, dass in den Werkstätten die Zahl der arbeitenden Bewohner pro Betreuer höher ist, d. h. es stehen weniger Betreuer pro Bewohner zur Verfügung als in den Häusern. Weiterhin wird die mögliche Umsetzung einer Pausengymnastik dadurch erschwert, dass der Grad des Assistenzbedarfs der in einer Werkstatt arbeitenden Bewohner sehr unterschiedlich ist. Pausengymnastik ja oder nein ist nicht so einfach zu beantworten.

Was ist nun das Fazit?

Was kann für mehr Sport und Bewegung getan werden? Denn dass Sport und Bewegung wichtig und notwendig sind, daran bestehen von keiner Seite Zweifel.

Ein wichtiger Punkt für die Angehörigen und Betreuer ist es zu prüfen, inwieweit vorhandene Angebote von den Bewohnern wahrgenommen werden. Es gibt verschiedene arbeitsbegleitende Maßnahmen innerhalb der Arbeitszeit: tiergestützte Ergotherapie mit Alpakas, eine kleine und große Sportgruppe sowie Reiten. Auch im Wohnbereich werden zahlreiche Aktivitäten zur körperlichen Ertüchtigung angeboten: Nutzung des Fitnessraumes und der Sportgeräte im Freien, Tanzen und Schwimmen. Die meisten Bewohner verfügen über ausreichend finanzielle Mittel, um kostenpflichtige Angebote in Anspruch zu nehmen. Wo dies nachweislich nicht der Fall ist, kann ein entsprechender Antrag beim Förderkreis gestellt werden. Hat ein Bewohner keine Angehörigen mehr, sondern nur einen staatlichen Betreuer, so tragen die Hausleitungen eine gewisse Verantwortung im Sinne der Gesunderhaltung der Betreuten, an die Betreuer mit entsprechenden Anfragen heranzutreten. Es sei dabei daran erinnert, dass Freizeitaktivitäten wie Sportgruppen oder Fitness-Studios auch außerhalb der Lebensgemeinschaft im Allgemeinen mit Kosten verbunden sind.

Zur Verbesserung der körperlichen Fitness tragen auch Reha-Sport, Physiotherapie und Krankengymnastik bei. Es gilt also seitens der Betreuer zu prüfen, ob alle diesbezüglichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Hilfreich und notwendig ist in jedem Fall die individuelle Kommunikation mit den Hausleitungen bezüglich der physischen Gesundheit der Einzelnen und der Teilnahme an Bewegungsangeboten. Leider kann Reha-Sport nicht vor Ort angeboten werden. Aber wenn sich eine Gruppe von Teilnehmern zusammenfindet, wären entsprechende Transporte organisierbar.

Um die Arbeitsbedingungen in den Werkstätten mit vorwiegend sitzender Tätigkeit zu verbessern, hat die Lebensgemeinschaft die Anschaffung ergonomisch besser gestalteter Stühle vorgesehen. Weiterhin sollte die bereits erfolgte Weiterbildung der Mitarbeiter weitergeführt werden, wie mit kleinen Übungen das Befinden nach langer sitzender Tätigkeit verbessert werden kann. Derartige Weiterbildungen können laut Aussage eines Mitglieds des Förderkreises auch über die entsprechende Knappschaft realisiert werden. Die Idee der Pausengymnastik unter Verwendung von Mitmachvideos wird nicht ad acta gelegt. Wenn das neue Telekommunikationssystem im Einsatz ist, wird der Förderkreis die Idee wieder aufgreifen.

Die Hausleitungen werden durch die Leitung der Lebensgemeinschaft ermutigt, regelmäßige Spaziergänge zu unternehmen, wovon nicht nur die Bewohner, sondern auch die Mitarbeiter profitieren. Und nicht zu vergessen ist das durch die Förderstiftung finanzierte Fitness-Studio, welches so viel wie möglich zum Einsatz kommen soll.

Am Ende der Bezug zum Anfang: Wie sieht es bei unseren Bewohnern mit der Einstellung zu Sport und Bewegung aus? Wahrscheinlich genauso vielfältig wie bei allen Menschen. Man kann niemanden zu seinem (Sport-)Glück zwingen! Wir können nur versuchen, durch Angebote, Anregung, Überzeugung und Vorbild dafür zu sorgen, dass immer mehr von ihnen in die Gruppe der „Glücklichen“ gelangen.

Text: Elke Wendler

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